Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Stelenübergabe für Enver Şimşek, 10.09.2014

Stelenübergabe für Enver Şimşek – 9. September 2014
Sehr geehrte Familie Şimşek,
Sehr geehrte Frau Zander,
Sehr geehrter Herr Bürgermeister Vogel,
Sehr geehrter Herr Berr,
Sehr geehrte Frau Yiyit,
Verehrte Gaeste,
- Ich gedenke Herrn Enver Şimşek, der am 9. September 2000 durch die Terrorgruppe NSU in seinem Wagen an seinem Blumenstand in dieser Strasse ermordet wurde. Seiner Familie und seinen Hinterbliebenen spreche ich mein tiefstes Beileid aus. Ich bedanke mich bei der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Altenfurt/Moorenbrunn für die heutige Veranstaltung.
- Wie bekannt, hat der NSU zehn Menschen ermordet. Acht dieser Menschen waren türkisch bzw. türkischstaemmig. Und drei dieser Morde haben sich in Nürnberg ereignet. Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru und İsmail Yaşar, drei unschuldige Menschen, die nichts anderes getan haben als zu arbeiten um ihre Familie zu ernaehren und mit ihrem Fleiss einen Beitrag für die deutsche Wirtschaft zu leisten, fielen der brutalen Mordserie des NSU zum Opfer. Deswegen trifft uns Nürnberger bei der Erinnerung an diese Menschen eine besondere Verantwortung.
- Die NSU-Morde haben die türkische Community in Angst und Schrecken versetzt. Trotz jahrelanger Fahndung war das Terror-Trio im Untergrund weiterhin aktiv, hat über mehr als zehn Jahre lang bundesweit unbehelligt gemordet und Straftaten begangen. Dass sie dabei nicht ertappt wurden, zeigt, dass es sich beim NSU nicht um eine einfache Terrorgruppe handelt, sondern um eine Organisation die manche Kreise in Schutz nehmen.
- So geht es auch aus dem 1800 Seiten umfassenden Abschlussbericht des NSU-Untersuchungsausschusses des Thüringer Landtages hervor, der nach zweieinhalb Jahren Arbeit am 22. August 2014 der Öffentlichkeit vorgesttellt wurde; Polizei, Verfassungschutz und Justiz haben im Kampf gegen den NSU komplett versagt. Haetten die Verantwortlichen ihre Arbeit ordentlich getan, haette zumindest ein Teil der Morde verhindert werden können. Der Bericht spricht auch von vielen offenen Fragen, die auf eine Antwort warten.
- Mit Entsetzen verfolgen wir, wie in letzter Zeit in manchen deutschen Staedten besonders auf Moscheen rassistisch motivierte Anschlaege verübt worden. Solche Anschlaege versetzen die türkische Community erneut in Angst und Schrecken.
- Kinder und Enkelkinder der sogenannten Gastarbeiter, die in den 60’er Jahren nach Deutschland kamen, wollen ihre Zukunft in diesem Land gestalten und sich für die Entwicklung dieses Landes einsetzen. Es ist ein natürliches Recht der türkischen Community, bei ihren Bemühungen für die Entwicklung Deutschlands nach mehr Frieden und Sicherheit zu verlangen. Wir sind davon überzeugt, dass die Verantwortlichen erforderliche Schritte hierfür einleiten werden.
- In diesem Sinne erhoffen wir uns von dem laufenden NSU Prozess am Oberlandesgericht in München ein eindeutiges Ergebnis und eine angemessene Strafe für alle Verantwortlichen. Denn nur so kann verhindert werden, dass sich solch eine Tragödie wiederholt. Auch ist es sehr wichtig, an die Opfer des NSU zu erinnern und sich quer durch die Gesellschaft gemeinsam gegen Rassismus und Rechtsextremismus zu stellen.
- Für ein gut funktionierendes Miteinder aller Migrantengruppen und der Aufnahmegesellschaft im Einwanderungsland land Deutschland trifft jeden von uns eine wichtige Verantwortung. Die heutige Veranstaltung wird ebenfals einen Beitrag für die Schaffung eines Miteinanders und einer Willkommenskultur leisten.
- Abschliessend möchte ich mich noch einmal bei den Organisatoren dieser Veranstaltung bedanken und den Hinterbliebenen mein Beileid aussprechen.