Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

3.Nürnberg Anti-Depresyon Gününde Başkonsolos Ece Öztürk Çil'in Yaptığı Konuşma, 09.06.2013

3. Türkischer Anti-Depressionstag – Villa Leon -09.06.2013

Sehr geehrte Damen und Herren,
Verehrte Gäste,

Vielen Dank für die Einladung zum Dritten Türkischen Anti-Depressionstag. Es freut mich, dass diese Veranstaltung zum Thema Depression, was in unserem hektischen Alltag immer mehr an Bedeutung gewinnt, nun jedes Jahr stattfindet.
Die Zahl der Menschen die unter einer Depression leiden wird weltweit auf 350 Millionen geschätzt. Laut Weltgesundheitsorganisation werden depressive Störungen bis zum Jahr 2020 weltweit die zweithäufigste Volkskrankheit sein. Nach Schätzungen sind in Deutschland etwa vier Millionen Menschen an einer Depression erkrankt.
Depression ist also die häufigste psychische Erkrankung, die sehr oft unterschätzt wird und längst nicht mehr nur psychisch labile sondern auch motivierte und engagierte Menschen trifft. Die Ursachen von Depression sind trotz intensiver Forschung noch immer ungeklärt. Chronische Überlastung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Tod einer nahestehenden Person können mögliche Auslöser sein.
Dazu kommen natürlich auch Probleme, wie Vorbehalte gegen psychische Erkrankungen. In den Medien werden wir tagtäglich zunehmend mit Krankheiten wie Burn-Out-Syndrom oder Depression konfrontiert, dennoch sind Störungen der Psyche Tabuthemen. Betroffene schweigen oft über ihre Erkrankung oder versuchen ihre Krankheit erst mal selber oder innerhalb der Familie zu bewältigen. Depressionen führen zudem auch zu Brüchen im sozialen Umfeld oder zur Erwerbsunfähigkeit. Die Kosten infolge depressionsbedingter Arbeitsunfähigkeit liegen in Deutschland bei ca. 1,5 Milliarden Euro.
Menschen mit Migrationshintergrund leiden unter ähnlichen seelischen Erkrankungen wie Deutsche. Nur, leiden Fachleuten zufolge, Migranten fast doppelt so hoch unter psychischen Erkrankungen als Menschen ohne Migrationserfahrung. Neben Sprach- und Kulturproblemen zählt Meryam Schouler-Ocak, Psychiaterin und Oberärztin am Charite in Berlin, weitere Risikofaktoren wie Einsamkeit, Heimweh, Arbeitslosigkeit, schlechte Bildung und Wohnverhältnisse. Schouler-Ocak zufolge werden bei Migranten die Depressionen häufig erst spät oder gar nicht erkannt. Die Kommunikation scheitert entweder an der Sprache oder daran, dass die Beschwerden anders geschildert und nicht richtig interpretiert werden.
In seiner Studie zur Wechselwirkung zwischen Diskriminierung und Integration untersucht Prof. Dr. Hacı Halil Uslucan vom Zentrum für Türkeistudien und Integrationsforschung die Auswirkungen von Diskriminierungserfahrungen auf die Gesundheit und kommt zu dem Ergebnis, dass die Konfrontation mit Diskriminierung die physische und psychische Gesundheit negativ beeinflusst, Menschen mit Migrationshintergrund häufiger unter psychosomatischen und psychischen Erkrankungen leiden als Personen ohne Migrationshintergrund. Auch Uslucan nennt für diesen Befund migrationsspezifische Ansätze wie soziokulturelle Entwurzelung, Fremdheit im Gastland, Identitätskonflikte, schlechte Lebens- und Arbeitsbedingungen oder Angst vor drohender Arbeitslosigkeit. Uslucan bringt auch Forschungsbeispiele, die belegen, dass Stress, Depression, Aengstlichkeit oder sozialer Rückzug mit erlebter Diskriminierung im Zusammenhang stehen.
Zudem verhindern sprachliche und kulturelle Barrieren bei Migranten die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe. Auch hier sind Themen wie interkulturelle Öffnung und Kultursensibilität von hoher Bedeutung. Deswegen halte ich die Aktion „Türkischer Anti-Depressionstag“ für sehr wichtig und notwendig. Mein Dank gilt dem Nürnberger Bündnis und allen Unterstützern dieser Aktion. Ich wünsche uns allen viel körperliche und seelische Gesundheit sowie eine informative Veranstaltung.
Vielen Dank