Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

Başkonsolos Ece Öztürk Çil'in NSU Terör Örgütünce Öldürülen Vatandaşlarımız için Nürnberg'de Anıt Açılması Töreninde Yaptığı Konuşma, 21.03.2013

Feierstunde - Einweihung der Gedenkstätte für die NSU-Opfer
21. März 2013

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Frau Mittenhuber,
Sevgili Belgin Hanım, Sevgili Kerem,
Sevgili Semiya,


“Mein Vater” sagst Du in deinem Buch “Schmerzliche Heimat”, “musste sterben, weil er schwarze Haare und eine dunklere Haut hatte als seine Nachbarn, weil auf seinem Auto ein nichtdeutscher Name stand – er musste sterben, weil er ein Türke war.“

Ja, das NSU Trio hat in Nürnberg drei Menschen getötet.
In Bayern mussten insgesamt fünf Menschen sterben, nur weil sie Türken waren oder für einen Türken gehalten wurden. Das Profil der Opfer war immer ähnlich.
Franz Schindler, der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses des bayerischen Landtages teilte kürzlich bei einer Veranstaltung in der Evangelischen Akademie die Erkenntnis, dass die Opfer bewusst unter selbstständigen Kleinunternehmern ausgewählt wurden, um möglichst keinen Mitgefühlseffekt in der deutschen Gesellschaft auszulösen.
Denn hätten sie als Arbeiter in einer Fabrik oder als Angestellte in einem Büro gearbeitet, hätten sie ihren deutschen Kollegen gefehlt.
Sie hätten bestimmt gefragt, warum und von wem diese unschuldigen Menschen ermordet sind.
Und sie hätten das Abwesen dieser Menschen mitgefühlt.

Auch die Bezeichnung „Döner Morde“, so wie die Mordserie jahrelang, sogar lange nach der Enthüllung der Morde noch genannt wurde, hat verhindert, dass das Geschehene Mitgefühl in der Gesellschaft auslöste.
Diese Gedenkstätte, die wir hier heute gemeinsam einweihen, soll ein Ort des Mitfühlens sein
und ein Ort der Erinnerung an unschuldige Opfer.

Wir alle wissen aber, dass allein Erinnern und Ermahnen nicht ausreicht, um den Rassismus zu bekämpfen.
Wir brauchen gesellschaftliche Abwehrmechanismen, damit sich solche Verbrechen nicht mehr wiederholen.
Rechtextremismus kann nur mit einer starken und sensibilisierten Zivilgesellschaft konsequent bekämpft werden.

Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Terror –
das sind, meine Damen und Herren, alles Begriffe, die sich mit einer Demokratie in keinster Weise in Verbindung bringen lassen.
Die NSU Morde waren ein großer Schlag gegen die Demokratie in Deutschland.
Und sie haben das Vertrauen der Menschen in die Demokratie in einem Rechtstaat verletzt.
Diese Verletzung muss geheilt, das notwendige Vertrauen in die Demokratie muss wieder hergestellt und bestätigt werden.
In diesem Sinne erhoffen wir uns von dem bevorstehenden Gerichtsprozess ein eindeutiges Ergebnis.

Darüber hinaus müssen wir mit schulischen Projekten gegen Rassismus und Rechtextremismus unsere Kinder intensiv sensibilisieren, um effektiv zu verhindern, dass sie mit solch zerstörerischen Ideologien vergiftet werden.

Auch der Verständigungspreis der Stadt Nürnberg, der jährlich an Jugendgruppen vergeben werden soll, wird dazu dienen, unsere Kinder vor diesem menschenverachtenden Gedankengut zu schützen.

Heute werden hier Bäume für die Menschenrechte gepflanzt, als "ein Symbol der Hoffnung mit einer in die Zukunft gerichteten Botschaft“.
Mit der Pflege und dem Schutz dieser Bäume werden wir unseren Kindern eine sehr wichtige Verantwortung übergeben und somit das Gedenken an die Opfer in nachfolgende Generationen tragen.

Leben wie ein Baum
einzeln und frei
und brüderlich wie ein Wald.
Das
ist unsere Sehnsucht.

In diesem Sinne, möchte ich mich bei allen ganz herzlich bedanken, die bei der Entstehung dieser Gedenkstätte mitgewirkt haben.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.