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„Interkulturelle Erziehung – Ein Weg zur Erhöhung des Bildungserfolgs von Schülern mit Migrationshintergrund?“, 25.01.2013

„Interkulturelle Erziehung – Ein Weg zur Erhöhung des Bildungserfolgs von Schülern mit Migrationshintergrund?“
25. Januar 2013 – Bildungszentrum Nürnberg, Fabersaal


Sehr geehrter Herr Dr. Eckart,
Sehr geehrte Frau Dr. Schiffer,
Sehr verehrte Gäste,
liebe Schülerinnen und Schüler,

Wir haben gerade den Sketch "Die Sache mit dem Türken und dem Perser" gesehen. Ich möchte mich hierfür ganz herzlich beim LeMi, dem Bayerischen Netzwerk für Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte, insbesondere beim Herrn Ünal und Herrn Arslan, sowie bei allen Schülern, die mitgewirkt haben, ganz herzlich bedanken.

Als Generalkonsulat zählen wir den zukunftsträchtigen Bereich „Bildung“ zu den wichtigsten Arbeitsgebieten unserer Tätigkeit und
wir legen großen Wert darauf, Lehrer, Schüler, Eltern, Politiker und Vereinsvertreter zusammen zu bringen.

Auch die heutige Veranstaltung, die wir gemeinsam mit dem Bildungszentrum der Stadt Nürnberg organisiert haben, soll diesem Ziel dienen.

Unsere Kooperation mit dem Bildungszentrum bekommt zunehmend einen traditionellen Charakter
und ich möchte mich für diese wertvolle und konstruktive Zusammenarbeit bei Herrn Dr. Eckardt, dem Direktor des Bildungszentrums erneut bedanken.

Eine verbesserte Lage im Bereich „Bildung“ kann, wie wir alle wissen, nur durch einen intensiveren Austausch und durch die Zusammenwirkung von allen Akteuren gelingen
und nur so einen tragenden Beitrag für die Gesamtgesellschaft mit ihrer vorhandenen, realen Vielfalt leisten.
Sie ist nämlich - unabhängig von Schicht und Herkunft -
die wichtigste Ressource für die Zukunft und für ein gelungenes Miteinander.

Diese Tatsache im Blickwinkel behaltend,
möchten wir heute
die Perspektive zur Steigerung des Schulerfolges unter verschiedenen Aspekten aufgreifen.

Ein Aspekt sind zweifellos die Sprachkompetenzen.
Es ist sicherlich wichtig, die Defizite der Schüler zu decken, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Wichtig ist meiner Meinung aber auch der interkulturelle Ansatz in der Bildung, der andere Muttersprachen und ihre Bedeutung für das Selbstwertgefühl mit anerkennt.

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass bei Schülern, deren Muttersprache anerkannt und akzeptiert wird, das Selbstwertgefühl sowie das Selbstbewusstsein und somit auch der Schulerfolg zunimmt.
Ideal wäre in diesem Zusammenhang die zweisprachige Bildung während der gesamten Schullaufbahn.

Ein weiterer Aspekt in unserem Kontext ist die Ausbildung der Lehrkräfte.
Sowohl während des Studiums als auch während der Berufspraxis sollten Lehrer sich mit diesem Thema auseinandersetzen und interkulturell aus- und weitergebildet werden.

Ein weiterer wichtiger Ansatz ist meiner Meinung nach die Arbeit an Schulen, bei den Schülern ein Bewusstsein gegen den Rassismus zu fördern.
Frau Riedl vom Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg ist heute auch unter uns.
Nach ihrem Vortrag werden wir die Gelegenheit haben, uns mit diesem Thema detaillierter auseinander zu setzen. Vielen Dank Frau Riedl.

Sicherlich werden unsere Experten heute auch andere Aspekte zu diesem Thema ansprechen.
Die drei Punkte, die ich eben angesprochen habe, also
die Anerkennung der Sprachkompetenzen,
de interkulturelle Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte
sowie
die Sensibilisierung gegen rassistische Weltanschauung
haben etwas gemeinsames.
Im Mittelpunkt von all diesen drei Aspekten steht die Wertschätzung und das Wertgefühl sowie ihre Auswirkung auf den Bildungserfolg..

Es besteht kein Zweifel, dass sich positive Wertschätzung bei Schülern als Erfolg auszahlt. Dass das Gegenteil den Schulerfolg negativ beeinflusst, ist auch Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Es ist bekannt, dass Kinder, von denen man keinen Erfolg erwartet, eher erfolglos werden.

Ich möchte an dieser Stelle den Tübinger Bildungsforscher Prof. Ulrich Trautwein zitieren.
In seinem jüngsten Interview, das in der gestrigen Ausgabe der Wochenzeitung „die Zeit“ abgedruckt ist, unterstreicht er folgendes:
„Lehrer wissen zu wenig darüber, wie sie sich von Vorannahmen über einen Schüler leiten lassen.
Charakterisiert man einen Schüler als besonders leistungsstark und aus gutem Hause, verändert das die Haltung vieler Lehrer.
Der Schüler erhält anspruchsvollere Aufgaben und mehr positive Aufmerksamkeit, wodurch er wiederum motivierter lernt. Am Ende erzielt er tatsächlich höhere Leistungen.“
Zitat Ende.

Natürlich, meine Damen und Herren, dürfen wir die andere Seite der Medaille nicht vergessen.
Eltern und Vereine müssen interessierter und aktiver mitwirken. Sie dürfen davor nicht scheuen in die Bildung ihrer Kinder zu investieren.
Ebenso wichtig ist es aber auch die strukturellen Probleme des Systems aufzugreifen.

Bildet die Intervention der Eltern die eine Seite der Medaille, so bildet die Förderung anstelle der Frühselektion die andere Seite.
Nur so kann man der Zukunft einer real vorhandenen Vielfalt gerecht werden.

Ich möchte allen Referenten dieser Veranstaltung und Volkan, der diesen Abend moderiert, ganz herzlich danken.

Auch dieses Jahr werden Schüler ausgezeichnet, die ihre Abiturprüfung mit der Abschlussnote “sehr gut” abgelegt haben.
Ich möchte ihnen sowie ihren Eltern zu diesem Erfolg herzlich gratulieren.

Abschließend möchte ich erneut betonen, dass wir gemeinsam und mit Dialog sehr viel erreichen können.

Vielen Dank