Türkiye Cumhuriyeti

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Konuşma Metinleri

Schwandorf Anma Töreni, 17.12.2012

Schwandorf, Gedenkstunde am 17.12.2012
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrter Herr Çağan,
Verehrte Gäste,
Jahr für Jahr versammeln sich verantwortungsvolle und mitfühlende Menschen in
Schwandorf, um sich an diesen schwarzen Tag in der Geschichte ihrer Stadt zu
erinnern.
Ich selber nehme von Anfang an und zum vierten Mal an der Gedenkstunde hier vor
Ort teil; das ist zugleich zum letzten Mal, weil meine Amtszeit im kommenden
Sommer zu Ende geht.
Von diesen Gedenkstunden wird insbesondere die Jugendarbeit, die Sie vor Ort
führen, in meiner Erinnerung haften bleiben, dies gilt vor allem für den Film „Black“,
an dem Schülerinnen und Schüler mitwirkten.
Gerade die Jugendarbeit gegen Rassismus finde ich besonders wichtig, um junge
Menschen vor dieser schrecklichen Ideologie zu schützen.
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
ich bedanke mich bei Ihnen für Ihr Engagement, eine Städtepartnerschaft zwischen
Schwandorf und Karamürsel zu erstreben und den Austausch zwischen den beiden
Orten zu ermöglichen.
Ich wünsche mir, dass diese Partnerschaft im kommenden Jahr zustande kommt, und
Sie meine Damen und Herren, die Herkunftsregion der Familie Can, also die der Opfer
des rassistischen Anschlags vor 23 Jahren, kennen lernen.
Ich wünsche mir außerdem, dass im Rahmen dieser Städtepartnerschaft ein
dauerhaftes Schüleraustauschprojekt ins Leben gerufen wird, um die jungen
Menschen aus beiden Städten gegen Rassismus zu sensibilisieren und sie zur
Zivilcourage zu ermutigen.
Denn zu den Bildern, die in meinem Gedächtnis bei den Gedenkstunden eingebrannt
sind, gehören leider auch solche aus meiner ersten Teilnahme:
An dem Tag, während der Gedenkfeier, sah ich auf der anderen Seite der Straße eine
Unzahl von jungen Menschen mit rechtsextremer Gesinnung; dieses Bild hatte mich
damals mehr als nachdenklich hatte; ich werde es nicht vergessen.
Leider ist es auch eine traurige Tatsache, dass rechtsextreme Straftaten sich in den
letzten Jahren deutlich zunahmen und diese Taten lange Zeit ignoriert und verharmlost
wurden. Und traurig ist auch, dass Deutschland eine Unzahl von Pannen der
Sicherheitsbehörden bei den Ermittlungen erfahren musste. Wie wir heute wissen,
kostete jede dieser Panne nicht selten ein weiteres Menschenleben.
Sehr geehrter Herr Pfarrer, Sehr geehrter Herr Dekan,
ich werde auch an Ihre Worte erinnern. Sie gehören zu den Menschen, die eine
Kontinuität der Gedenkfeier ermöglicht haben. Sie haben immer die richtigen Signale
gesetzt und das Gewissen dieser Gemeinde angesprochen.
Sehr geehrte Frau Kellecioglu,
Sie haben entschieden im Schwandorf zu bleiben. Denn Sie glaubten an den
Mitmenschen, die an der Fotoaktion teilnahmen und ihr Gesicht gegen Rassisten
zeigten, somit auch dem Gewissen hier in dieser Stadt einen besonderen Ausdruck
verliehen.
Ihnen Frau Kellecioglu möchte ich meinen Respekt aussprechen. Ihre Entscheidung,
dass Schwandorf Ihr Zuhause ist, ist bestimmt keine leichtere gewesen und verdient
deshalb mehr als die Anerkennung, die man in Worte fassen kann.
Ich werde mich auch, meine Damen und Herren, an meine Landsleute in Schwandorf
erinnern, vor allem an Herrn Çağan von DITIB und natürlich alle heute hier
Anwesenden, die diese Gedenkstunde jedes Jahr gestalten, um die Erinnerung an
Opfer einer menschenverachtenden Ideologie vor Ort wach zu halten.
Vielen Dank