Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

"Kalp unutmaz" adlı, demans konulu toplantıda yapılan konuşma, 12.10.2011

Sehr geehrter Damen und Herren,


 


“plötzlich hat mein Vater mich nicht mehr erkannt… Es war einer der schrecklichsten Momente in meinem Leben.”


So beschreibt die Tochter eines türkischen Senioren, als sie mit der Krankheit ihres Vaters konfrontiert wurde und plötzlich die Erfahrung machen musste, dass ein Nahverwandter von Demenz betroffen war. Leider steht sie mit ihrer Erfahrung nicht allein.


 


Ein Grossteil der damals jungen Arbeitskräfte, der einstigen „Gastarbeiter“ also, die in den 60’er Jahren nach Deutschland kamen und sich auf Dauer in ihrer neuen Heimat eingerichtet haben, haben bereits das siebzigste Lebensjahr erreicht.


Und damit stehen wir vielen neuen, oft anders gearteten Problemen gegenüber, deren Bewältigung aufgrund fehlender Versorgungsinfrastruktur erschwert ist.


Die Demenzerkrankung ist ein solches Problem


– ein Problem, das im Migrationskontext eine zusätzliche Dimension bekommt und eine neue gesellschaftliche Herausforderung bedeutet.


 


Nicht zuletzt deswegen möchte ich hiermit bei den Machern des Films „Kalp Unutmaz“ und bei den Beteiligten für die Organisation dieser Veranstaltung besonders bedanken, da Demenz bei Migranten im Alter einer intensiveren Information und Aufklärung bedarf.


 


Laut dem Demenz-Report des Berlin-Instituts sind aktuell  1,3 Millionen Menschen in Deutschland von Demenz betroffen.


Der demographische Wandel und die zunehmende Lebenserwartung sind für diese Entwicklung im Wesentlichen mitverantwortlich.


Es wird angenommen, dass demenzielle Erkrankungen in der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gleich häufig auftreten wie bei den Einheimischen. 


 


Es ist aber mittlerweile bekannt, dass der Alterungsprozess bei den ehemaligen Gastarbeitern aufgrund ihrer Migrationsbiographie und der schweren Arbeits- und Lebensbedingungen, denen sie unterworfen waren, 5-10 Jahre früher einsetzt als bei „deutschen“ Alten.


Hinzu kommt noch die psychische Belastung des Lebens in der Fremde und des Stress des Überlebens mit einem niedrigen Sozialstatus.


 


Mangelnde Deutschkenntnisse, Unsicherheit, Unkenntnis, falsche Vorstellungen aber auch manchmal Scham halten die Angehörigen oft davon ab, einen Arzt, einen Spezialisten oder einen Berater aufzusuchen.


Ein weiterer Grund ist das familiäre Umfeld bei Migranten.


Nicht zuletzt die Einstellung, dass auch Pflege nur in der und von der Familie zu leisten sei, trägt dazu bei, sich keine externe Hilfe zu holen.


 


Aber längst tragen auch bei Migranten bestehende familiäre oder ähnliche soziale Netzwerke nicht mehr so gut wie zuvor.


 


Mittlerweile gibt es aber in Nürnberg wie in ganz Deutschland


  - und das ist eine sehr positive Entwicklung -


eine Vielzahl von Einrichtungen, die für Migranten sehr gute Informations-, Beratungs- und Pflegemöglichkeiten in der Muttersprache und mit muttersprachlichem Personal anbieten.


Betroffene und deren Angehörige müssen sich mit dem sensiblen Phänomen Demenz offen auseinandersetzen und Angebote in Anspruch nehmen, damit sie die Probleme, die diese Krankheit  mit sich bringt, besser überwinden können.


 


In diesem Sinne möchte ich mich für die heutige Veranstaltung noch einmal bedanken und wünsche uns allen und unseren Lieben viel Gesundheit und Lebensfreude.


 


Vielen Dank