Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

DITIB Nürnberg'in Meslek Eğitim Toplantısın'nda yapılan konuşma, 06.05.2011

Sehr geehrter Damen und Herren,


zunächst möchte ich mich beim Herrn İlhan Postaloğlu von DITIB Nürnberg, bei unserem Arbeits- und Sozialattache Herrn Dr. Ramoğlu und den deutschen Einrichtungen für die einwandfreie Organisation dieser Veranstaltung herzlichst bedanken.


Bei dem Thema Bildung geht es wie Sie alle es auch wissen, um ein ganz besonders wichtiges.


Bildung hat gleich mehrere Schlüsselfunktionen, sie öffnet die Türen der Integration, des sozialen und wirtschaftlichen Aufstiegs sowie der sozialen Teilhabe. Und sie ist sogleich der Schlüssel für den sinnvollen Einsatz von Potenzialen mit Migrationshintergrund. In Zukunft werden wir also nur noch über Bildungsgenerationen sprechen müssen.


Aus diesem Grund organisieren wir als Generalkonsulat der Republik Türkei in Nürnberg in Kooperation mit  verschiedenen Akteuren aus dem Bereich der Bildung viele Aktivitäten.


Mit dem Ziel, der jungen Generation Vorbilder aus ihren eigenen Reihen zu stellen, haben wir zum Beispiel die Broschüre “Aufstieg durch Bildung – Junge Türken als Erfolgsbeispiele” herausgebracht.  Wir haben Schulbesuche mit unseren Erfolgsbeispielen geplant. Wir haben bei der Berufsbildungsmesse teilgenommen. Bei allen Veranstaltungen, die zum Thema Bildung stattfinden, nehmen wir aktiv teil


Wir sind der Meinung, dass man bei dem Thema Bildung auf beide Seiten der Medaille gleichermaßen eingehen sollte. Dass Eltern sich stärker um die Bildung ihrer Kinder kümmern und das Bildungssystem besser verstehen müssen, bildet die eine Seite der Medaille. Das hiesige Bildungssystem verlangt von den Eltern eine Zielsetzung für ihre Kinder und für sich selber, damit sie besser von dem System profitieren und ihre Kinder in der Bildung besser unterstützen können. Solange Eltern dieser Anforderung nicht gewachsen sind, sind unsere Kinder die Verlierer.


 


Dass das Bildungssystem so ausgelegt werden muss, dass auch sozial benachteiligten Kindern mehr Chancengleichheit geboten ist, bildet die andere Seite der Medaille. Bei internationalen Studien wie PISA, stellt sich Deutschland tatsächlich als das Land heraus, in dem die Abhängigkeit des Bildungsstands vom Sozialstatus am höchsten ist.


Dazu wäre, denke ich, ein Zitat aus einer Publikation vom BAMF angebracht. Ich zitiere:


„Während drei Monate nach dem Schulabschluss 50 % der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund bereits einen Ausbildungsplatz gefunden hatten, gelang dies den Jugendlichen mit Migrationshintergrund in vergleichbarem Ausmaß erst nach 17 Monaten.“


Weiter heißt es dort:


„Die Chancenungleichheit (bleibt) selbst dann bestehen, wenn sich Ausbildungsplatzbewerber mit und ohne Migrationshintergrund hinsichtlich ihrer Schulabschlüsse und Schulnoten nicht unterscheiden.“


Chancengleichheit und die Chancenförderung vor allem im Bildungswesen ist ein wichtiger, vielleicht der wichtigste Beitrag zur Integration.


 


Wir sollten nicht vergessen, dass es in jedem sozialen Umfeld sehr intelligente Kinder gibt und Kinder mit Migrationshintergrund einen beachtlichen und nicht zu übersehenden Anteil in ihrer Altersgruppe in der Gesamtbevölkerung haben. Von diesen jungen Menschen kann Deutschland profitieren, auch wenn sie sozial schwächer gestellt sind. Denn diese jungen Menschen von heute sind die Träger und Gestalter der Zukunft.


 


Von grundsätzlicher Bedeutung wären hier unter anderem die flächendeckende Einführung von Ganztagsschulen, Maßnahmen zur Gewinnung von Jugendlichen für eine Berufsausbildung sowie die Erleichterung des Zugangs zu Hochschulen.


 


Was ich noch unbedingt betonen möchte, ist die Tatsache, dass wir dem Thema Bildung ein Leben lang eine hohe Bedeutung beizumessen haben. Aus dem EU-Bericht „Project Europe“, eine Prognose bis 2030,  geht hervor, dass nun sogar 50-60jährige sich weiterzubilden haben, damit die Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt gewährleistet sein kann.


Hier möchte ich gerne einige Zeilen aus dem Buch „Die Aufsteigerrepublik“, von Nordrhein Westfalens Integrationsminister Herrn Armin Laschet zitieren:


“Wir leben heute und zukünftig in einer Republik des ‚älter-bunter-weniger’ und müssen diesem demographischen Wandel Rechnung tragen. Eine durchgreifende Mentalitätsänderung bei den Einzelnen, in der politischen und gesellschaftlichen Kultur und bei den strukturellen Aufstiegsmöglichkeiten, bei den Unterstützungsstrukturen ist erforderlich.“


Herr Laschet hat mit diesen Worten eine Zukunftsvision formuliert, die den Bereich Bildung und Arbeit ebenso berücksichtigt, wie den demographischen Wandel.


 


Nun  ist es also so weit, dass wir uns nicht nur während unserer Schullaufbahn sondern in jedem Alter zu bilden haben. Wir müssen uns dieser Veränderung anpassen. Ich sehe diese Situation als eine Lebensfreude an. Denn nur wenn wir was Neues lernen, können wir uns erneuern und unseren Horizont erweitern.


 


In diesem Sinne, sollten wir unseren Lernprozess vom Kindes- bis ins Seniorenalter fortsetzen. Ich wünsche mir, dass diese Einstellung zu einer Lebensform wird. Lassen Sie uns also das Thema der Bildung als Solidarität für eine Aufstiegschance unserer Community in Deutschland ansehen und das Lernen zu unserem Lebensprojekt machen.


 


Ich möchte den Organisatoren und Gestaltern dieser Veranstaltung sowie allen, die sich auf dem Bereich der Bildung bemühen und Engagement zeigen, gratulieren und wünsche uns allen einen produktiven Austausch.


 


Vielen Dank.