Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

AWO'nun "Çünkü Almanlar bizi anlamıyorlar" konulu konferansında yapılan konuşma, 11.07.2011

Sehr geehrter Herr Dehner,


Sehr geehrter Herr Hertz,


Sehr geehrter Prof. Unbehaun,


Sehr geehrter Herr Dr. Plutschke,


Sehr geehrter Herr Başak,


Verehrte Referenten,


Verehrte Gäste,


 


 


Die Geschichte der Menschheit ist zum größten Teil eine Geschichte von Wanderungen und Migrationen.


Und wie wir alle wissen,


jeder Migrationsprozess ist einzigartig.


 


Dies gilt auch für die türkische Migration nach Deutschland, die in den 60er Jahren als Arbeitsmigration begann und mittlerweile mehrere Generationen umfasst.


 


Sie ist zugleich eine eigentümliche Geschichte.


Sie war weder geplant noch beabsichtigt


und gewann im Zuge der Jahrzehnte eine unerwartete Dynamik.


 


Heute,


im 50. Jahr des Anwerbeabkommens,


stellen wir  fest,


dass die Gegenwart eine vielfältige Gestalt angenommen hat.


 


Eins waren sie, türkischstämmige Migranten, alle Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter.


Heute sind aus den „Gästen“ längst Senioren und Rentner geworden.


 


Wir neigen heute dazu, dieser Generation, den Pionieren, eine hohe Homogenitität zuzuschreiben – eine Homogenität, die auf ihre Startkonstellationen in diesem Lande zurück gehen,


eine Homogenität, die gekennzeichnet ist durch den Spruch: „Nächstes Jahr kehren wir zurück“,


 


eine Homogenität, die sichtbar wird


durch mangelnde Sprachkenntnisse,


durch das Wohnen in sanierungsbedürftigen Stadtteilen,


durch das hohe Arbeitstempo in der Stahlindustrie,


im Bergbau


und an den Bändern der Automobilproduktion.


 


Es war auch eine Homogenität, die sich bemerkbar machte an den ständig verschobenen Lebensplanungen,


an den im Herkunftsland vorgenommenen Investitionen


und an dem ununterbrochenen Willen, für sich und für eigene Kinder eine bessere Zukunft zu ermöglichen.


 


 


Meine Damen und Herren,


 


Es war aber auch eine Homogenität, die durch die Tatsache zum Ausdruck kam, dass diese Generation, die Pioniere der 50-jährigen türkischen Migrationsgeschichte, jahrzehntelang als Fremde betrachtet wurden.


Trotz aller Hürden und Schwierigkeiten hat aber diese Generation, die längst eine Würdigung und Anerkennung verdient hat, etwas Großartiges geschafft, auf dessen Grundlage die Nachkommengenerationen aufbauen.


Es sind mittlerweile drei Generationen, die durch Vielfalt und Heterogenität gekennzeichnet sind.


Diese Vielfalt stellen wir schon bei der ersten Folgegeneration fest


– bei den Gastarbeiterkindern, die unterschiedliche Biographieverläufe haben.


 


Es sind „Kofferkinder“, die in den 70er und 80er Jahren von ihren Eltern in das Herkunftsland geschickt, später wieder zurück geholt sind.


 


Es sind Nachzügler, die als kleines Kind hierher kamen.


 


Und es sind die ersten, die die Welt in Deutschland erblickt haben.


 


 


Heute sind sie Akademiker,


Selbständige,


Facharbeiter,


Arbeitslose


und Hartz IV-Empfänger.


 


Sie gehören zu den Aufsteigern der letzten Jahrzehnten,


 


Und sie gehören aber auch zu den Verlieren, die den Anschluss verpasst haben.


 


Die Religion und die Tradition spielt in ihrem Alltag eine zum Teil besonders wichtige Rolle;


Es gibt aber auch viele unter ihnen, in deren Alltag diese Elemente kaum einen nennenswerten Platz haben.


 


Es gibt unter diesen Menschen immer noch welche, die sich weiterhin zerrissen fühlen und in diesem Lande kein Zuhause-Gefühl entwickelt haben.


Gleichzeitig begegnen wir nicht selten vielen, die längst in Deutschland angekommen sind.


Deutschland ist längst ihre Heimat geworden.


 


Wir stellen immer wieder fest:


Viele von diesen Menschen sprechen ein schlechtes oder unzureichendes Deutsch.


Wir stellen aber auch fest: viele beherrschen diese Sprache hervorragend.


 


 


Kurz:


es gibt eine große Vielfalt unter den Nachfolgegenerationen,


und ich bin fest davon überzeugt, dass diese Vielfalt und Heterogenität in den kommenden Jahren zuständig zunehmen wird.


Eine vertiefte Differenzierung, sei es im Alltag, sei es in Erfolgsnuancen, wird weiter vonstatten gehen wird.


 


Diese Vielfalt ist das Ergebnis dieser 50jährigen Geschichte.


 


Sie ist längst die gelebte Gestalt in der Gegenwart.


 


Ich muss aber auch sagen, dass diese realexistierende Vielfalt


bei den Debatten wenig Beachtung findet.


Gerade die Sarrazin-Debatte ist ein Paradebeispiel dafür.


 


Natürlich müssen wir über vorhandene Probleme und Schwierigkeiten sprechen, von denen es viele gibt;


Und natürlich müssen wir an gezielten Lösungsansätzen arbeiten.


 


Wir sollten uns aber auch die historische Tatsache, wie und unter welchen Voraussetzungen diese Geschichte begann, immer wieder ins Gedächtnis rufen


 und sie uns vergegenwärtigen.


 


Erst ein solcher Vergleich zwischen dem Damals und dem Heute


macht uns das Geleistete und das Erreichte deutlich.


 


Und nicht zuletzt müssen wir,


um eine bessere Zukunft und gelungenes Miteinander zu schaffen,


konstruktive Beiträge wie die von Armin Laschet mehr würdigen


und ihnen als Denkanstöße mehr Aufmerksamkeit schenken.


 


 


In diesem Sinne bin ich überzeugt, dass die heutige Tagung 


das bis jetzt Geleistete würdigen


und die vorhandenen Probleme ernst angehen


und wertvolle Lösungsansätze entwickeln wird.


 


Denn unser gemeinsames Ziel ist ein Beitrag für eine gemeinsame Zukunft.


 


Ich danke allen Beteiligten für die Organisation


sowie allen heute anwesenden Teilnehmern


 und wünsche uns einen produktiven Austausch.


 


Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.