Türkiye Cumhuriyeti

Nürnberg Başkonsolosluğu

Konuşma Metinleri

MÜSİAD'ın "Yenilenebilir Enerji" konferansında yapılan konuşma, 18.10.2011

Sehr geehrter Herr Staatsminister Söder,


Sehr geehrter  Herr  Satır,


Verehrte Gäste,


 


Ich möchte mich zu Beginn bei MUSİAD für die Veranstaltung des Forums „Erneuerbare Energien“ mit Herrn Staatsminister Söder als Schirmherren bedanken. Die Veranstaltung bietet somit auch Gelegenheit für türkische und deutsche Unternehmer, die im Energiesektor aktiv sind, sich auszutauschen.


Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum fordern das Ökologische Gleichgewicht heutzutage immer stärker heraus. Die Menschheit ist inzwischen da angelangt, dass sie alternative Energien zum Überleben benötigt.  


Einer Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) zufolge wird der globale Verbrauch an Primärenergie bis 2035 um insgesamt 36 Prozent steigen. Fossile Energieträger werden den primären Energiebedarf bis dahin noch vorherrschend decken können. 2008 lag der Primärenergieverbrauch weltweit bei rund 12,3 Mrd. Rohöleinheiten, 2035 werden es ca. 16,7 Mrd. sein.


Bis 2035 werden Nicht-OECD Staaten für den weltweiten Anstieg des Energiebedarfs zu 93 Prozent verantwortlich sein, Länder wie Indien oder China werden ihren Energieverbrauch drastisch erhöhen. Um den Energiebedarf weltweit zu decken, sind  bis 2035 Investitionen in die Energieinfrastruktur  in Höhe von nicht weniger als 26 Billionen Dollar vonnöten. Die CO2-Emissionen werden nach Schätzungen des IEA von 29 Mrd. Tonnen im Jahr 2008 auf 35 Mrd. Tonnen im Jahr 2035 steigen.


Der einzige Hoffnungsträger in diesem Szenario sind die Entwicklungen von neuen Technologien zur Erschließung neuer Energiequellen.


Im Folgenden werde ich versuchen, einen kurzen Überblick über die Situation und die neueren Entwicklung in der Türkei im Bereich der erneuerbaren Energien zu geben.


Die schnell wachsende Wirtschaft der Türkei und das Bevölkerungswachstum ziehen einen stetig wachsenden Energiebedarf mit sich. Der Bedarf an Primärenergie stieg in der Türkei in der Zeit von 1996-2009 jährlich um 5 Prozent. Unter den OECD Staaten ist die Türkei das Land in dem der Energiebedarf in den letzten 10 Jahren am rasantesten zunahm. Gleichzeitig ist die Türkei seit 2000 nach China weltweit die zweitgrößte Wirtschaft, die den höchsten Strom- und Erdgasbedarf hat.  Wie viele andere Länder ist auch die Türkei auf Energieimporte angewiesen. Sie bezieht mehr als 70 Prozent ihres primären Energiebedarfs aus dem Ausland. So verbrauchte das Land im Jahr 2008 circa 111 Millionen Tonnen Erdöleinheiten (MTEE) an Primärenergie, während nur 31 MTEE aus eigenen Quellen produziert werden konnten. Der größte Teil davon wird in Form von Erdgas, Erdöl und Kohle verbraucht.


Hinsichtlich erneuerbarer Energien ist die Türkei ein reiches Land. Zu den wichtigsten Energiequellen der Türkei zählen die Wasser- und Windkraft, die Erdwärme (Geothermie), die Sonne und die Biomasse.


Im Einklang mit der Europäischen Energiepolitik hat das Land sich anspruchsvolle Ziele für die Zukunft gesetzt und die entsprechenden rechtlichen Grundlagen dafür geschaffen. Es wurden neue Fördermöglichkeiten eröffnet, die die Wirtschaftlichkeit der Investitionen in erneuerbare Energien ermöglichen. Dadurch ist ein enormes Investitionspotenzial in diesem Bereich entstanden.


Das in 2005 verabschiedete Gesetz für erneuerbare Energien beinhaltet verstärkte Maßnahmen zur Förderung von Wind- und Wasserkraftwerken. Mit diesem Gesetz wurden für alle erneuerbaren Energieressourcen fixe Abnahme- und Anschlusspflichten sowie Einspeisevergütungen festgelegt.  Gleichzeitig wurden die Stromverteilungsunternehmen verpflichtet, einen bestimmten Prozentsatz ihres Stromabsatzes aus erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Durch diese Regelung soll eine Angleichung an bestehende EU-Richtlinien zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen erreicht werden. Mit weiteren Erweiterungen des Gesetzes für erneuerbare Energien will die Regierung die Fördermaßnahmen zugunsten von Investoren verstärken, indem sie die garantierten Abnahmepreise erhöht und die Energiequellen entsprechend differenziert.


2007 wurden über 9,5 MTEE Energie aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Damit konnten immerhin fast 9 Prozent des gesamten Primärenergiebedarfs des Landes gedeckt werden. Etwa 20 Prozent des Stroms werden aus erneuerbaren Energien gewonnen. Ziel ist, bis 2023 30 Prozent des gesamten Primärenergiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen zu decken.


Zur Energieerzeugung tragen gegenwärtig mit 63,5 Prozent thermische Kraftwerke, mit 33 Prozent Wasserkraftwerke, mit 3 Prozent Windkraftwerke und mit bei 0,2 Prozent geothermische Kraftwerke bei. Der Anteil aller anderen erneuerbaren Energiequellen außer Wasser, Wind und Geothermie liegt lediglich bei 0,2 Prozent.


 


Wasserkraft


Die Türkei liegt beträchtlich über der Meeresebene und verfügt nach Norwegen mit 16 Prozent über das zweitgrößte Wasserkraftpotenzial in Europa.


In der Türkei werden 18 Prozent der Energie von Wasserkraftwerken erzeugt. Das Potenzial der hydroelektrischen Stromproduktion wird von der staatlichen Wasserbehörde auf 433 Milliarden Kilowattstunden geschätzt. Der strategische Plan des Energieministeriums sieht durch den Bau von neuen Wasserkraftwerken eine jährliche Kapazitätserweiterung von 1.000 bis 1.500 Megawatt in den nächsten Jahren vor.


Die Privatisierung regionaler Versorgungsunternehmen im Jahr 2010 eröffnete ausländischen Investoren die Möglichkeit, Wasserkraftwerke im Land zu bauen und zu betreiben. Diese Entwicklung wird ebenfalls dazu beitragen, dass eine deutliche Kapazitätserhöhung erreicht wird.  


Windkraft


Die Türkei verfügt über ein beträchtliches Windenergiepotenzial, insbesondere in der Marmara – und Aegäis-Region. Sehr gute Windbedingungen und 7.000 km Küste ermöglichen es, Windenergie als Alternative zur herkömmlichen Energiegewinnung zu nutzen. Aktuell beträgt das Potenzial zur Windenergienutzung in der Türkei rund 88.000 Megawatt. Das wirtschaftliche Potenzial beläuft sich auf 20.000 Megawatt und damit steht die Türkei auf Platz eins in Europa. Ende Juli 2011 betrug die Stromerzeugung mit Windenergie 1.511 Megawatt. Damit hat sich aber die Nutzung in den vergangenen Jahren verzehnfacht. Der Wert lag vor drei Jahren erst bei 147 Megawatt. Die Türkei ist internationaler Spitzenreiter mit der höchsten Wachstumsrate bei Windkraftanlagen, dabei werden bisher nur 15 Prozent ihres Potentials genutzt werden.


Eine erhebliche Leistung, wenn man bedenkt, dass die Windenergie 2010 noch überhaupt nicht genutzt wurde. Ziel ist nun, die Windenergienutzung mit dem neuen Strategieplan des Energieministeriums bis 2023 auf 20.000 Megawatt zu erhöhen. Mit einer neuen Regelung zur Lizenzvergabe im Rahmen des Gesetzes erneuerbarer Energien wurden Lizenzen für 92 Projekte mit einer Kapazität von 3.489 Megawatt vergeben.


Das erste Windparkprojekt in der Türkei wurde 1998 durch den Marktführer Enercon GmbH realisiert, seit 2002 hat das Unternehmen eine eigene Produktionsstätte für Rotorblätter in der Türkei. Bis Ende 2010 wurden hier über 270 Windenergieanlagen installiert.


 


 Geothermie


Hinsichtlich ihres geothermischen Energiepotenzials ist die Türkei europaweit auf Platz 2, und weltweit auf Platz 5. Mit ihren 600 Geothermalbrunnen will die Türkei ihre Stromerzeugung durch Geothermie von aktuell 77.2 Megawatt  bis 2023 auf 600 Megawatt erhöhen. Das Institut für Studien zur Elektrizitätserzeugung schätzt das geothermische Gesamtpotenzial der Türkei auf 31.500 Megawatt, was in etwa einer jährlichen Erdölmenge im Wert von ca. 3 Milliarden US Dollar entspricht.


Seit Juli 2007 ermöglicht das Gesetz über „Geothermale Quellen und natürliche mineralhaltige Wasser zur Nutzung geothermischer Ressourcen“ auch der Privatwirtschaft den geothermischen Markt zu erschließen. Demnach können neben dem Staat auch natürliche und juristische Personen, sowie Privatunternehmen Nutzungsrechte erwerben.


Nach Abschluss aller geplanten Investitionen im  Bereich der geothermischen Energie wird dieser Sektor mit einer Gesamtwertschöpfung von 16 Milliarden US-Dollar pro Jahr zur Volkswirtschaft beitragen.


 


Biomasse/Biogas


In den ländlichen Gebieten der Türkei wird Biomasse in Form von Holz, Tier- und Pflanzenmüll genutzt. Das Biomassenpotenzial wird auf jährlich ca. 100.000 Gigawattstunden geschätzt, wobei 70.000 Gigawattstunden bereits genutzt werden.  Der Großteil der Biomasse wird für Heizzwecke genutzt.


Das Potenzial zur Biogasproduktion wird auf 23.000 Gigawattstunden jährlich geschätzt.


Außerdem wird erwartet, dass 1,7 Millionen Tonnen Biodiesel durch Erschließung zusätzlicher Felder für den Anbau geeigneter Pflanzen und 3,5 Millionen Tonnen Bioethanol aus Zuckerrüben gewonnen werden können.


Die Türkei hat aufgrund ihres grossen Potenzials in der Landwirtschaft und der installierten Kapazität für Biodiesel und Bioethanol gute Voraussetzungen, um sich zu einem europäischen Zentrum für die Versorgung mit Biotreibstoffen zu entwickeln.


Solarenergie


Die Türkei liegt in dem sogenannten Solargürtel und verfügt über eine relativ hohe durchschnittliche Sonnenscheindauer von 2.640 Stunden jährlich. Das entspricht einer Sonnenscheindauer von 7,2 Stunden pro Tag. Die Strahlungsintensität beträgt 3,6 Kilowattstunden je Quadratkilometer. Dies weist auf ein jährliches Potenzial von 380 Milliarden Kilowattstunden aus Sonnenergie hin, womit die Türkei im europäischen Vergleich nach Spanien an zweiter Stelle liegt.


Die Solarenergie wird in der Türkei hauptsächlich für die Warmwasserbereitung genutzt. Solarwärmeanlagen sind im Süden des Landes weit verbreitet. Mit über 12 Millionen Quadratmeter installierter flacher Solarkollektoren ist die Türkei weltweit auf Platz 2 nach China. Für die Stromerzeugung wird diese Möglichkeit mit einer installierten Kapazität von 1 Megawatt jedoch nur in geringem Umfang genutzt.


Die Sonnenenergie in Zukunft stärker zu nutzen, ist ebenfalls in dem Strategieplan des Energieministeriums vorgesehen. Nach Einschätzungen des Fachverbandes GENSED könnten so bis 2020 Solarstromanlagen mit einer Kapazität von 4.000 bis 8.000 Megawatt installiert werden.


Photovoltaikzellen werden in der Türkei bislang erst in geringem Umfang produziert. Inzwischen gibt es 100-150 Unternehmen in der Türkei, die Sonnenkollektoren herstellen. Von einer jährlichen Produktion von insgesamt rund 1,5 Millionen Quadratmetern gehen nach Angaben der Unternehmen zwischen 50 und 70 Prozent in den Export. Auch hier eröffnet das Gesetz für Erneuerbare Energien neue Fördermöglichkeiten, dass eine rapide Steigerung im Bau von Photovoltaik- und anderer Sonnenanlagen erfolgen kann.


Die größte Wachstumschance im Bereich der Solarenergie räumen Experten der solarthermischen Stromerzeugung (CSP) ein. Unternehmen wie die Aachener Solitem Group mit ihrer Tochtergesellschaft in der Türkei oder deutsch-türkische Joint Ventures sind bereits in der Türkei aktiv bzw. bereiten sich auf grössere Projekte mit Sonnenkollektor-Kraftwerken in der Türkei vor.


 


Um den Energiebedarf im Jahr 2020 decken zu können, sind in der Türkei bis dahin Investitionen von etwa 120 Mrd. US Dollar notwendig. Es werden Regelungen geschaffen, privaten Unternehmen diese Investitionen weitgehend zu ermöglichen. Es gehört zu den Hauptstrategien der Türkei, diese Investitionen möglichst wettbewerbsfähig zu gestalten.


Im Zuge dieser Regelungen bauten private Träger  insbesondere im Bereich der Stromerzeugung 2010 insgesamt 100 neue Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 3.675 Megawatt.


Davon entfallen,


-          235 Megawatt auf thermische Kraftwerke,


-          817 Megawatt auf Wasserkraftwerke,


-          474 Megawatt auf Windkraftwerke,


-          17 Megawatt auf geothermische Kraftwerke und


-          17 Megawatt auf Biomasse und Biogas.


Im Jahre 2007 wurde das Gesetz zur Energieeffizienz erlassen, in dem Maßnahmen und Unterstützungen zur Energieeinsparung vorgesehen sind. Wasserkraftwerke und thermische Kraftwerke unter staatlicher Führung werden unter Anwendung neuer Technologien aufbereitet.


2004 hat die Türkei die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCC) unterzeichnet. 2009 wurde das Kyoto-Protokoll durch die Türkei ratifiziert. Obwohl die Türkei bis 2012 nicht verpflichtet ist, eine Emissionsreduktion in Anlehnung an das Kyoto-Protokoll vorzunehmen, hat sie sich zur Pflicht gemacht, ihre Energieeffizienz und die Nutzung erneuerbarer Energien sowie den Einsatz neuer Technologien für saubere Kohle zu erhöhen. All das  wird auch weiterhin einen wichtigen Teil der Energie und Umweltpolitik der Türkei ausmachen.


Fazit


Die Türkei hat sich parallel zum Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und dem damit verbundenen stetig steigenden Energiebedarf zu einem der am schnellsten wachsenden Energiemärkte entwickelt und baut zügig eine Wettbewerbsstruktur auf.


Der Markt bietet ein weites Betätigungsfeld im Bereich erneuerbarer Energien und ein hohes, zukunftsgerichtetes Potential, welches vor allem für ausländische Investoren von Interesse ist. Durch neue gesetzliche Bestimmungen sind die Risiken für einen Markteintritt auf ein Minimum reduziert.


Das Land fungiert aufgrund ihrer strategischen Lage zwischen Asien und Europa als ein wichtiges Energieterminal ihrer Region.


Mit ihren natürlich klimatischen und geographischen Rahmenbedingungen ist die Türkei ein Land mit vielfältigen Chancen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Mit einer bedeutenden Anzahl von Flüssen und Seen und einem Energiepotential von ca. 36.000 Megawatt, bietet die Türkei ideale Ausgansbedingungen auch für kleine und mittelgroße Energieunternehmen. Da der Staat sich aus dem Bereich der Energieproduktion weitgehend zurückzieht, muss die zu erwartende Energieversorgungslücke durch verstärkte Investitionsbereitschaft in- und ausländischer Unternehmen geschlossen werden. Es gibt ein enormes Ausbau- und Investitionspotential fast in allen Bereichen der erneuerbaren Energien.


Angesichts dieser Tatsachen kann ich also behaupten, dass es sich für deutsche Unternehmen unbedingt lohnt, mit den richtigen Partnern den Markteintritt zu planen oder gar zu verwirklichen.


In der Hoffnung, dass die heutige Veranstaltung der Stärkung des Vorhabens für einen Einstieg in den türkischen Energiemarkt stärkt, bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche einen informativen Verlauf.