Federal Göç ve Mülteciler Dairesi'nde sergi açılışı

Ece Öztürk Çil 23.01.2012
Dageblieben – Zuwanderung nach Nürnberg - gestern und heute
Ausstellungseröffnung BAMF, 23. Januar 2012


Sehr geehrter Herr Präsident,
Sehr geehrter Herr Dr. Diefenbacher,
Sehr verehrte Gäste,

Es freut mich, dass die Ausstellung “Dageblieben” des Stadtarchivs Nürnberg von nun an auch beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu sehen sein wird. Die Ausstellung zeigt uns den Wandel der Stadt Nürnberg durch Migration nach 1945 in den unterschiedlichsten Formen und Phasen.

Migranten und ihre Geschichten sind im Verlaufe der Jahrzehnte ein fester Bestandteil sowohl dieser Region als auch der gesamten Republik geworden. Zu ihnen gehören auch Türkischstämmige, deren Geschichte mit einem Anwerbeabkommen begann und mittlerweile auf ein 50-jähriges Dasein zurückblickt.

Zu diesem Anlass fanden im vergangenen Jahr sehr viele Veranstaltungen statt; es wurden Ausstellungen eröffnet, Fachvorträge gehalten, Bücher herausgegeben. Die Medien habe sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt und die deutsch-türkische Migration aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Während verschiedene Veranstaltungen anlässlich des 50. Jahres stattfanden, wurden wir auch von der Nachricht erschüttert, dass Rechtsextremisten für die sogenannten „Döner-Morde“, bei denen unter anderem 8 Türken ihr Leben verloren haben, verantwortlich sich. 3 der Morde fanden in dieser Stadt statt.

Noch ist es zu früh, die Bedeutung dieser Morde und ihren Stellenwert in der 50 jährigen Geschichte zu verstehen. Die türkische Community erwartet aber, dass solche Mordfälle sich nicht wiederholen. Sie erwartet berechtigterweise, dass „Hasskriminalität“ mit allen rechtsstaatlichen Mitteln konsequent bekämpft werden.

Verehrte Gäste,

Das Anwerbeabkommen aus dem Jahr 1961 war der Grundstein einer unbeabsichtigten Entwicklung und Weichenstellung, die seitdem einer eigenen Dynamik unterliegt.

Die einstigen Gastarbeiter aus der Türkei kamen zunächst gar nicht mit der Intention, für immer hier zu bleiben und zu leben. Doch es kam anders.
Sie holten ihre Familien und Kinder nach; viel der Kinder kamen in Deutschland zur Welt. Ihre jahrzehnte lange Annahme von einem vorübergehenden Aufenthalt sollte jedoch nicht ohne Folgen sein. Gut 30 Jahre des 50-jährigen Daseins der türkischen Community in Deutschland waren von dieser Haltung geprägt.

An dieser Stelle muss man aber auch folgendes hervorheben:
Die Migranten aus der Türkei waren gar nicht in der Lage, ihr Leben in Deutschland von Anfang an als ein Teil der hiesigen Gesellschaft zu gestalten.
Die Möglichkeit, die Sprach des Landes zu lernen und sich zu partizipieren, so wie sie den Zugewanderten aus den Sowjetrepubliken ab 1976 angeboten wurde, bekamen sie lange Zeit nicht.
Doch nicht wenigen sollte es gelingen, hier Fuß zu fassen und ein Teil der Gesellschaft zu werden. Nicht selten kommen heute erfolgreiche jungen Migranten mit türkischem Hintergrund aus solchen Familienkonstellation.

In den Debatten stellen wir aber nicht selten eine indifferente Bestandsaufnahme fest.
Es wird zu oft übersehen, dass im Verlaufe der 50-jährigen Geschichte mehrere Integrationsprozesse mit verschiedenen Couleurs ineinander übergingen;
die türkische Community ist zunehmend von einer Heterogenität bestimmt;
die vorhandenen Identitätskoordinaten werden differenzierter.

Gerade in den Zeiten des demographischen Wandels ist es von Bedeutung, junge, qualifizierte Migranten als eine Bereicherung und Chance anzusehen und die Migranten insgesamt als eine wichtige Ressource zu betrachten und entsprechend zu handeln.
Dazu gehört der Abbau von Vorurteilen in der Mehrheitsgesellschaft ebenso wie die plastische Vorführung der Geschichte der Migranten in diesem Lande.
Gerade langfristig angelegte Bestandsaufnahmen wie diese vom Stadtarchiv konzipierte Ausstellung ermöglichen eine über den Alltag hinausgehende Wahrnehmungsperspektive und sind als ein wichtiger Beitrag für ein gelungenes Zusammenleben zu verstehen.

Ich möchte an dieser Stelle den Gestaltern der Ausstellung „Dageblieben“ meinen Dank aussprechen.

Auch bei Ihnen, Herr Präsident, möchte ich mich ganz herzlich bedanken.
Ihr Bundesamt ist ab heute Gastgeber für diese tolle Ausstellung.
Ihre basisorientierte Kommunikation mit Migranten ist mehr als lobenswert.
Ich wünsche mir, dass die Forschungsergebnisse der Publikationen Ihres Instituts, das eine sachorientierte und wissenschaftlich fundierte Arbeit leistet, bei den Diskussionen mehr Beachtung findet.

Ich danke natürlich auch, meine Damen und Herren, denjenigen, die einst mit ihren Koffern hierher kamen und im wortwörtlichen Sinne ganz unten beginnen mussten. Sie stehen am Anfang einer 50-jährigen Geschichte und ihre Nachkommen gehören längst zu denjenigen, die die Stadt Nürnberg und die Region mit verwandeln.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Pazartesi - Cuma

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