Schwandorf Kundaklaması Anma Töreni

Ece Öztürk Çil 17.12.2011
Schwandorf, Gedenkstunde am 17.12.2011

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrter Herr Çağan,
Verehrte Gäste,

Ein weiteres Mal sind wir heute hier versammelt, der Opfer einer schrecklichen Tat zu gedenken, bei der das Ehepaar Osman und Fatma Can, ihr 12 jähriger Sohn Mehmet und Jürgen Hübner auf grausamste Weise ihr Leben lassen mussten.

Ich bin froh, dass Sie heute zu dieser Gedenkfeier so zahlreich erschienen sind, sich an das traurige Ereignis erinnern, mittrauern, mitfühlen und eine Antwort dafür suchen, wie und warum ein derart schlimmes Verbrechen in dieser Stadt passiert konnte.

Das Geschehene ist nicht zu verdrängen
Es ist und bleibt eines der schlimmsten, fremdenfeindlichen Anschläge.

Es ist zugleich eine traurige Tatsache, dass der Rechtsterrorist von Schwandorf seine Untat bis heute nicht bereut hat und heute immer noch in rechtextremen Kreisen verkehrt.

Leider handelte es sich bei dieser Untat nicht um eine Einzelerscheinung. In den darauf folgenden Jahren wurden wir Zeugen von vielen Anschlägen im ganzen Lande.
Von dem Zeitpunkt der Untat in Schwandorf von 23 Jahren bis heute stieg die Zahl der unschuldigen Menschen leider sehr stark an.

Menschen unterschiedlicher Herkunft, darunter sehr viele Deutsche, mussten nur deswegen sterben, weil ihr „Anderssein“ nicht geduldet wurde.

Gott segne sie alle und schenke Geduld ihren Hinterbliebenen.
Wir trauern mit ihnen.

Nun nehme ich zum dritten Mal bei der Gedenkstunde in Schwandorf teil.

Ich kann aber heute leider keine Trostworte aussprechen.

Nicht in einer Zeit, in der wir zehn weiterer Menschen gedenken, die ebenfalls durch Rechtsextreme getötet wurden.

Nicht in einer Zeit, in der wir mit der Tatsache erschüttert sind, dass eine Gruppe von Neonazis über Jahre hinweg ungestört, unbeachtet gemordet hat.

Wie Sie alle wissen, wird es in vielen Städten der Opfer des Nazi-Terrors gedacht. Es wird in vielen Städten an diese Verbrechen der Rechtsextremisten erinnert.
Fünf der Opfer waren hier in Bayern ermordet.

Es ist sicherlich die Verantwortung unser Aller, an diese sehr schmerzhaften Ereignisse zu erinnern.

Es ist aber damit nicht genug getan:

Wir haben es hier mit einer menschenverachtenden Ideologie zu tun.

Diese muss effektiv und auf allen Ebenen der Gesellschaft bekämpft werden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

Atatürk

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